FV Obereichstätt e.V. 1946

                   

 
 
  

Chronik Mädchen und Frauen


Aufgrund der FIFA-Frauen-WM in Deutschland 2011 wurden die Verantwortlichen des FV Obereichstätt von der Regionalzeitung, dem Donaukurier, nach den „Meilensteinen“ ihrer erfolgreichen Frauenmannschaft gefragt, die in der Spielzeit 2010/11 alle Spiele in der Bezirksoberliga gewann und in die Landesliga aufstieg.

Eine solche Frage bietet natürlich einerseits die Möglichkeit in längst vergangenen Erinnerungen zu schwelgen (denn die erste Mädchenmannschaft trainierte bereits 15 Jahre zuvor, nämlich 1996), andererseits erscheint eine Antwort deshalb so schwierig, weil ja scheinbar „alles“ wichtig gewesen ist.

Von Anfang an dabei als Spielleiter und seiner 11jährigen Tochter Michaela, war Robert Reimann.

Für ihn gibt es folgende nennenswerte „Meilensteine“:

  • 1996: Gründung der beiden Kleinfeld-Mädchenmannschaften aufgrund einer Unterschriften­aktion von Maria Rußer
  • In der Saison 1997/98 wurde die eine Mannschaft auf Anhieb Meister, die zweite Mannschaft, die eigentlich „außer Konkurrenz“ spielte, war ebenfalls sportlich erfolgreich, so dass sich die Verantwortlichen entschlossen als U17-Juniorinnen auf das Großfeld zu wechseln.
  • 2000: Gründung der Frauenmannschaft
  • 2004: Aufstieg der Frauen in die Bezirksliga sowie Pokalsieg der U15-Juniorinnen
  • 2007: Gründung der zweiten Frauenmannschaft nach dem Aufstieg in der Vorsaison

Als weiterer Meilenstein könnte sich das Jahr 2009 erweisen, in dem der FV Obereichstätt erstmals neben den U17-Juniorinnen auf Großfeld und den U15-Juniorinnen auf Kleinfeld eine U13-Mannschaft ins Rennen schickte.

Der Vollständigkeit halber sei die vergangene Spielzeit  2010/11 nochmals erwähnt: Die U17-Juniorinnen wurden Meister und steigen nun in die Bezirksoberliga auf, die zweite Frauenmannschaft sicherte sich den Meistertitel in der Kreisliga, die BOL-Frauen schossen in 22 Spielen 94 Tore und holten alle 66 Punkte. Somit betreten sie bald „Neuland“ in der Landesliga.

Aufgrund dieser Informationen befand sich direkt über dem Spielplan der Frauen-WM folgender Zeitungsartikel:

Obereichstätt (dno) Seit den Anfängen im Jahr 1996 hat sich der FV Obereichstätt zu einer echten Hausnummer im Frauen-Fußball entwickelt. Drei Meisterschaften in der abgelaufenen Saison sind nur ein Indiz, dass bei dem Verein aus dem Eichstätter Landkreis gut und erfolgreich gearbeitet wird. Dabei war der Start gar nicht so einfach. Alles begann mit einer Unterschriftenaktion.

Die damals zwölfjährige Maria Rußer und ihre Freundinnen Kathrin Schillhuber und Lisa Mödl sprachen beim Vorsitzenden Xaver Kleinhans vor und baten um die Gründung einer Mädchenmannschaft. „Wir sind dann durch das Dorf gezogen und haben auch in der Schule bei sämtlichen Mädchen nachgefragt“, erinnert sich die 27-jährige Rußer, die – wie viele andere – auch heute noch aktiv ist und zu den Stützen der Mannschaft zählt. „Nachdem wir rund 15 Zusagen hatten, ging es ratz fatz“, so Rußer weiter. Die Mädels wurden fortan ein Jahr lang von Helmut Hruschovsky (unterstützt von Jochen Polak) trainiert und bestritten ihre ersten Freundschaftsspiele. In der Saison 1997/98 nahm dann erstmals eine Mannschaft am Wettspielbetrieb teil. Unter der Leitung von den drei Trainern Jürgen Schließer, Rainer Knopf und Robert Schneider erreichten die Mädels gleich den ersten Platz. Nachdem auch die zweite Mannschaft, die außer Konkurrenz spielte, sehr erfolgreich war, wagte man anschließend den Schritt auf das Großfeld. Als weiterer Meilenstein in der Geschichte ist das Jahr 2000 mit der Gründung einer Frauen-Mannschaft zu sehen. Damit genügend Spielerinnen vorhanden waren, schnürten die Mütter Siglinde Fichtl und Beatrice Schillhuber bis 2006 ihre Fußballschuhe. Derweil kickten Spielerinnen wie Mödl, Michaela Reimann, Anna-Maria-Fichtl oder Sigrid Weidenhiller – die für die Frauen noch zu jung waren – in der U17-Mannschaft und holten zweimal in Folge die Meisterschaft. Großen Anteil daran hatte auch die seinerzeit neunjährige Jana Helmschmidt, die später noch alle bayerischen Auswahlmannschaften durchlaufen sollte. Unter Trainer Matthias Ablassmeier stiegen die Frauen 2003/04 von der Kreis- in die Bezirksliga auf und die U17 wurde unter den Trainern Karl-Heinz Neumeyer, Hans Bösl und Markus Rein in den folgenden drei Jahren Mittelfränkischer Meister sowie Pokalsieger. 2006 ging es für die Frauen mit fast identischer Besetzung wieder eine Etage höher: Unter Trainer Stefan Schmid schaffte die Elf den Aufstieg in die Bezirksoberliga. 2007 wurde dann eine zweite Frauenmannschaft gegründet, zwei Jahre später sogar die U13-Juniorinnen.  

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war jetzt 2011 der Aufstieg der Frauen-Mannschaft in die Landesliga und gleichzeitig die Meisterschaft des Kreisliga-Teams sowie der Wiederaufstieg der U17-Juniorinnen. Und das mit einem Budget von null Euro, denn beim FVO gibt es keinen extra Sponsor für die einzelnen Mannschaften. Trainer Helmut Heindl, der auch schon die Obereichstätter Männer sowie 2005 die Frauen trainiert hat, erklärt, dass mit den Frauen wesentlich sensibler umgegangen werden muss. „Man muss auf jeden Fall auf die Wortwahl achten. Da sind die Frauen viel empfindlicher“, so Heindl, der mit einem Lachen hinzufügt: „Die Frauen finden dagegen immer einen Grund zum Feiern. Das ist schon ein eingeschworener Haufen, der sehr viel in der Freizeit miteinander unternimmt.“ Aktuell nimmt der FV Obereichstätt mit fünf Mannschaften am Spielbetrieb teil. Die rund 70 Fußballerinnen sind in über 20 Ortschaften aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus verstreut. Nur ein ganz kleiner Teil selbst kommt aus Obereichstätt.

„Am meisten ärgert es mich, dass es noch immer Mädchen und Eltern gibt, die mich erstaunt anschauen und nicht wissen, dass sie beziehungsweise ihre Töchter bei uns Fußball spielen könnten“, sagt Rein, der seit elf Jahren in verschiedenen Funktionen dabei ist. Unabhängig davon zieht er ein absolut positives Fazit: „Trotz einiger kleinerer Einbrüche ist das bis jetzt eine einzige Erfolgsgeschichte.“ Auf mehreren hundert Seiten hat er alles genauestens festgehalten. Spielberichte, Tabellen, Statistiken, Mannschaftsfotos und Bilder von den Veranstaltungen kleben in seinem Archiv. Beim Durchblättern gerät der 34-jährige regelrecht ins Schwärmen und man merkt schnell, dass Rein mit Herzblut und Leidenschaft bei der Sache ist. Er trainiert und betreut die Mädels, organisiert die Fahrten zu den Spielen und kümmert sich auch um zusätzliche Aktionen, wie beispielsweise einen Winterurlaub im Fichtelgebirge, die traditionellen Weihnachts- und Abschlussfeiern, macht Stimmung mit seiner Gitarre und gibt zur Not auch mal Nachhilfeunterricht.

Rein verdeutlicht immer wieder, dass es beim FVO nicht nur auf das Fußballspielen alleine ankommt. Man will den Mädchen und jungen Frauen mehr bieten. „Sie sollen später einmal nicht nur an den Fußball zurückdenken“, sagt Rein, „sondern auch an das Drumherum. Denn das sind Erlebnisse, die man einfach nicht vergisst.“ Und so wird man auch vor allem die deutschen Spiele bei der Frauen-Weltmeisterschaft gemeinsam im Vereinsheim anschauen. Ein Besuch im Stadion ist wegen des gleichzeitig stattfindenden Erdinger-Meistercups nicht möglich.

Last but not least gibt es einen geistigen wie anpackenden Übervater dieser Erfolgsstory in dem 700-Seelen-Dorf an der Altmühl. Robert Reimann, Vater der seit 1996 spielenden Michaela, war von Anfang an der organisierende Spielleiter und zugleich größter Fan wie Kritiker seiner Mannschaften. Heute ist er so etwas wie der „Abteilungsleiter“ im Bereich Mädchen- und Frauenfußball beim FVO, Spielleiter der beiden Frauen-Teams, Organisator des jährlichen Trainingslagers in Italien sowie „Scout“ im ganzen Landkreis.

                          

Oberste Reihe:      Peter Schöpfel, Robert Schneider, Reinhard Knopf, Jürgen Schließer
Mädchen stehend: Anne-Kathrin Templer, Maria Rußer, Lisa Mödl, Susanne Schillhuber, Kathrin Schillhuber, Julia Schneider, Birgit Betz, 
                            Daniela Stössl
Mädchen kniend:   Stefanie Vielberth, Michaela Reimann,  Anna-Maria Fichtl, Anna Finsterer, Sonja Lacker, Natalie Lacker, 
                            Marion Thirmeyer, Ines Renn.

                    

Stehend: Kerstin Kleinhans, Maria Rußer, Kathrin Schillhuber, Simone, Neumeier, Anna Finsterer, Julia Schneider, 
              Susanne Schillhuber, Lisa Mödl,

sitzend:  Johanna Salzner, Birgit Betz, Michaela Reimann, Sonja Lacker, Marion Thirmeyer, Natalie Lacker, Anna-Maria Fichtl.


Um dieses nun vorhandene „Gerüst“ soll nun von (ehemals) Aktiven und Verantwortlichen weiterhin gebaut werden. Wir möchten versuchen die einzelnen Saisons durch Berichte, Erinnerungen und Anekdoten von Spielerinnen aufzufrischen und aufzuhellen. Ziel soll sein: wie war es denn wirklich?


  
  
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